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Kometenregen

In einer Frühlingsnacht flog ein Komet ganz nahe an der Erde vorbei, so nahe, daß er mit seinem Schweif die Spitze des höchsten Berges streifte. Da stoben nur so die Funken und es glitzerte in den schönsten und schillernsten Farben und wie ein bunter Regen fielen die Funken aus dem Kometenschweif auf die Erde.
Und alle Menschen, die das sahen, staunten und sahen ehrfürchtig zu. Und am nächsten Morgen fragten sie die anderen, ob sie das auch gesehen hätten. Und das himmlische Schauspiel blieb noch lange in ihrer Erinnerung haften.
Auch Anila sah den Kometenregen in jener Nacht. Sie konnte nicht aufhören zu staunen und blieb die ganze Nacht wach bis zum Morgen. Auch die nächsten Nächte sah sie immerzu in den Himmel, aber nichts mehr geschah.
Da beschloß Anila, zu diesem Berg zu wandern, den der Kometenschweif gestreift hatte. Als sie den Fuß des Berges erreichte, bemerkte sie, daß auf den Hängen des Berges etwas war, die sie noch nie gesehen hatte.
Überall begannen langsam diese seltsam fremden Pflanzen zu wachsen. Wundervolle hohe helle Blumen mit den schönsten Blüten und Farben, genau so wie der Kometenregen. Und sie dufteten unbeschreiblich schön.
Aber da waren auch häßliche, grausliche Gewächse, die so schrecklich stanken, daß Anila sich die Nase zuhalten mußte. Es gab auch schöne Pflanzen mit üblem Geruch und häßliche, die ganz wunderbar rochen.
Manche Pflanzen trugen sehr schmackhafte Früchte, andere aber ungenießbare bittere. Manche der Früchte waren schön und andere wiederum sahen unappetitlich aus, schmeckten aber köstlich. Es gab kleine Pflanzen und solche, die zu riesigen Bäumen heranwuchsen. Andere wucherten wie wild und überzogen alles und drohten die benachbarten Pflanzen zu ersticken.
Anila sah sich das alles voller Staunen und Neugier lange an. Eines Tages aber begann sie, die stinkenden, die häßlichen, die wuchernden Pflanzen auszureißen. Sie riß eine nach der anderen aus und warf sie auf den Weg. Und dort, wo sie zu liegen kamen, geschah etwas Seltsames: Die ausgerissenen Pflanzen begannen langsam wie ins Nichts zu verschwinden und nur ein paar Tropfen blieben wie Tränen am Boden haften.
Anila nahm diese Tränen, sammelte sie und goß die anderen Pflanzen damit, die nun noch schöner wurden und die herrlichsten Düfte verströmten. Und so erblühte der Garten, der voll der wunderbarsten Blumen und Früchte war.
Und Anila saß inmitten ihres Gartens und sah dem bunten Treiben der Schmetterlinge zu, die von dort nach da und von da nach dort und von dort nach dort und von da nach da flatterten und dabei den Nektar aus den Blütenkelchen schlürften. In all dieser Pracht saß Anila und war glücklich. Da beschloß sie, daß sie bleiben werde in dem großen Garten, den sie „ihren Kometengarten“ nannte.
(Geschrieben im Jahr 2003 für Alina)